Netzwerkstrukturen in Deutschland, Russland und Europa

In der heutigen Gesellschaft spielen heterogene Netzwerkstrukturen, die Einzelpersonen, Organisationen, Regionen und Staaten verbinden, eine immer wichtigere Rolle. Dieses führt zu Transformationen in Handel, Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung, Politik und anderen Feldern in Deutschland, Europa und Russland. Während Netzwerke immer mehr an Bedeutung gewinnen und ihre Struktur zunehmend komplexer wird, finden Netzwerktheorie und –methodik immer mehr Beachtung seitens der Sozial-, Wirtschafts-, Kultur- und Politikwissenschaften sowie der Psychologie. Jede der Disziplinen entwickelt ihren eigenen Zugang zu Netzwerkstudien und wirft Fragen der Vergleichbarkeit von Studien und der Perspektiven von Netzwerkanalyse auf. Außerdem haben Russland, Deutschland und  Europa verschiedene Traditionen des Untersuchens der vernetzten Gesellschaft entwickelt. Es scheint notwendig, die unterschiedlichen Strategien der Netzwerkforschung zu koordinieren und zum interdisziplinären und überregionalen Dialog zum Thema globaler Strukturtransformationen zu ermutigen. Es ist von höchster Wichtigkeit, die  Mühen verschiedenen wissenschaftlicher Perspektiven der Netzwerkforschung zu vereinen und Antworten auf die Herausforderungen zu finden, die Strukturtransformationen in der russischen, deutschen und europäischen Gesellschaft hervorrufen. Diese Forschungsfelder umfassen zwei Hauptforschungszweige.

Innerhalb des Rahmens des ersten Forschungszweigs, welcher intendiert russische und europäische Wissenschaftler*innen einzubinden, befinden sich verschiedene Arten von Wissensnetzwerken, semantischen Netzwerken und Kommunikationsnetzwerken, die besonders wichtig sind im Kontext der in Russland und Europa entstehenden Wissensgesellschaften. Die Forschung ist primär fokussiert auf das Studium von Strukturen und Mechanismen intellektueller Kommunikation (was die akademische Kommunikation einschließt, sich aber nicht auf sie beschränkt), auf das Untersuchen der Logik des Entstehens und der Entwicklung von Wissensstrukturen, sowie auf die Analyse von Verbindungen zwischen wissens- und kommunikationsstrukturellen Dynamiken in komplexen, selbst organisierten Sozialsystemen von verschiedener Art und auf verschiedenen Niveaus. Innerhalb dieses Forschungszweigs entwickeln wir theoretische und methodologische Ansätze um die Natur des Wissens, Wissensstruktur und die Mechanismen der Wissensentstehung zu verstehen. Dieser Forschungszweig ist in erster Linie verknüpft mit dem interdisziplinären Grundlagenforschungsprogramm Intellektuelle Landschaft, das an der St. Petersburger Staatsuniversität (unter Einbezug der Fakultäten für Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaften) implementiert wurde und die extensive Dynamik nicht-linearer intellektueller Kommunikationsnetzwerkstrukturen, die in unsere heutigen Gesellschaften eindringen und heterogenes Wissen auf verschiedenen sozialen Bühnen generieren, erforscht. Empirische Analyse innerhalb dieses Forschungszweigs basiert auf vergleichender Analyse von wissenschaftlichen, kulturellen, Handels-, Bildungs-, Politik- und anderen Netzwerken in Deutschland, Russland und Europa.

Der zweite Forschungszweig ist ebenfalls von hoher Wichtigkeit für Europa und Russland und richtet sich auf die Erforschung von Innovationsnetzwerken innerhalb und zwischen Organisationen, welche die Entwicklung neuer Ideen erlauben. Er umfasst komparative Studien dieser Netzwerke in Deutschland, Europa und Russland gleichermaßen wie die Analyse räumlicher Aspekte dieser Netzwerke, die sich über Regions- und Staatsgrenzen erstrecken und somit die Regionen und Staaten Eurasiens verbinden. Sektorübergreifende Netzwerke, insbesondere jene, die grenzüberschreitende Verbindungen zwischen Wissenschaft, Bildung und Handel umfassen, sind für uns von besonderem Interesse, soweit sie langfristige soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit schaffen. Der Forschungszweig umfasst die Entwicklung von Management- und Politikinstrumenten um diese selbst organisierten Netzwerke zu leiten.

Beide Gebiete sind letzten Endes verknüpft, da Wissen und Kommunikation die Basis sozialer Innovativität und Kreativität sind. 

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